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Aurich/Wallinghausen
28.12.2013
Laienbühnen - die Hüter der ostfriesischen Identität
Sprache und Lebensart zu
erhalten ist eine ehrenvolle Aufgabe der Kulturpflege
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| Spöldeelen sind Hüter des
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VON GERD-D. GAUGER
Folge 12 - Dezember 2013 Heimatkunde und Heimatgeschichte |
| Plattdeutschen und der
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Aurich. Eine Laienbühne spielt einen ins ostfriesische Platt
übersetzten bayerischen Schwank. |
| dörflichen Gemeinschaft. |
Hat das noch mit Pflege heimischen Brauchtums und/oder
ostfriesischer Kulturpflege zu tun? |
| Hier die Wallinghausener |
Ja! Es kommt letztlich nicht darauf an, was sie spielt,
sondern darauf, dass sie es überhaupt tut. |
| 1978, vier Jahre nach ihrer |
Und das in ihrem ureigenen Platt, das im Harlingerland so
anders ist als auf dem Fehn, im |
| ersten Inszenierung. |
Krummhörn anders als in Overledingen. Rudolf Baumfalk,
langjähriger Spölbaas in Wallinghausen, |
| Foto: Gauger |
hat in einem Rückblick auf das 40-jährige Bestehen dieser
Bühne (1973-2013) an einen besonderen |
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Aspekt erinnert, der die Arbeit der Bühnen so wertvoll macht. |
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Als 1945 Flüchtlinge und Vertriebene ins Dorf strömten und
sich Misstrauen und Vorurteilen |
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ausgesetzt sahen, kamen einige Wallinghausener mit
Bürgermeister Gerhard Janssen an der Spitze |
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zu dem Schluss, dass etwas geschehen musste, die neuen
Mitbürger (Betonung auf „Mit‘) in das |
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Dorfleben zu integrieren. Aber wie? Ab 1947 wurden Tanz- und
Spielabende organisiert — |
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und Laienspiele! Hans Behrends trommelte Jugendliche zusammen,
die als Jugendbühne |
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Wallinghausen den Flüchtlingen Sprache und Lebensart ihrer
neuen Heimat näher brachten. |
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Die letzten noch lebenden Mitglieder dieser Bühne sind
Christel Janssen und Susel Naujock, |
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Töchter des Schulmeisters Herbert Winkler, der auch einen Chor
bei diesen Abenden leitete. |
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Natürlich bringen die Spöldeelen mitunter auch Klamotten, bei
denen einem die Haare vibrieren. |
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Aber solange sie das in ihrer heimatlichen Sprache tun, ist
das in Ordnung. Obwohl — da kommen |
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wir nicht umhin — das mit der Sprache auch nicht immer so ist,
wie‘s sein sollte. |
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Da wird ohne Not mitunter ganz schön geschludert, der eine
oder andere Spölbaas sollte sich |
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seiner Verantwortung für das ostfriesische Platt bewusst sein.
Doch es ist ja nicht nur das Spiel. |
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Diese Bühnen sind auch ein Erhaltensfaktor des dörflichen
Lebens und ostfriesischen Brauchtum. |
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Eines dörflichen Lebens, das durch immer neue Baugebiete und
damit immer neuen Zufluss |
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Dorffremder seine Identität zu verlieren droht, und in dem
alte Tugenden des Zusammenlebens und |
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des Zusammenlebens und alte Bräuche ins Vergessen abzurutschen
drohen. Vielfach sind es die |
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Laienbühnen, die dieses Abrutschen zumindest zu bremsen versuchen. |
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In Neu-Wallinghausen z. B. war es die oft zu Unrecht
gescholtene Dorfjugend, die, angeführt |
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von Willi Fabricius, die Notwendigkeit dörflichen
Zusammenhalts, aber auch die der plattdeutschen |
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Sprachpflege erkannte.1968 und 1970 wurden in Jan Linemanns
vergrößertem Clubzimmer |
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plattdeutsche Einakter und Sketche unter der Regie Baumfalks
gespielt. Aus diesem lockeren |
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Verbund heraus wurde 1973 auf Anstoß von Johann Erdwien und
Johann Konken die Spöldeel |
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unter Vorsitz von Wolfgang Wagner gegründet — mit einem
Top-Verhältnis zehn Jugendliche, |
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drei Erwachsene. |
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Nach einem längeren Durchsacker (Spielerinnen reiferen Alters
mussten die junge Liebhaberin |
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geben...) können die hiesigen Bühnen heute wieder auf junge
Leute zurückgreifen. Plattdeutsch |
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ist nicht mehr die Sprache derer „van ‘t Land“, sondern
lebendiger Ausdruck ostfriesischen |
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Heimatgedankens. Und so haben viele Laienbühnen keine
Besetzungsprobleme mehr. |
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In Wallinghausen auch nicht, wie man bei der Inszenierung von
2013 sah. Von den |
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Gründungsmitgliedern sind übrigens heute noch Harm Janssen und
Harm Meenen aktiv. |
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Die heute von Karin Janssen geführte Bühne (67 Mitglieder) hat
seit dem ersten Einakter |
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„Qalm bi Quees“ und dem Sketch „De Schosterjung“ im Februar
1974 stattliche 54 Stücke |
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inszeniert.
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